Die Liste ihrer gemeinsamen Titel ist jetzt bereits lang: Mannschaftsweltmeisterin 2018 in Tryon, Mannschaftseuropameisterin 2019 in Rotterdam, Deutsche Meisterin 2020 und 2021- Jessica von Bredow-Werndl und ihre Trakehner-Stute TSF Dalera BB sind ein hocherfolgreiches, eingespieltes Team. Dennoch sind sie die Newcomer im Deutschen Team, denn für Bredow-Werndl ist es der erste Start bei den Olympischen Spielen. Für die 35-Jährige geht damit ein Kindheitstraum in Erfüllung. Wir stellen die passionierte Reiterin und ihre Stute Dalera im Porträt vor. 

Sie strahlt einfach immer. Trotz voller Konzentration kommt ihr Lächeln auch während der schwierigsten Lektionen immer wieder zum Vorschein. Vielleicht ist es ihre stets positive Einstellung und ihre sympathische Art, die die gebürtige Bayerin zum wohl größten Shootingstar der Dressurszene der letzten Jahre werden ließ. Besonders auf den sozialen Netzwerken ist Jessica von Bredow-Werndl zeigt sich die große Beliebtheit der Dressurreiterin. Auf ihrem Instagram-Profil gibt sie häufig Einblicke in ihren Alltag. Auch zu den olympischen Spielen nimmt sie ihre Abonnenten täglich mit und gewährt einen Blick hinter die Kulissen in Tokio. 

Wie alles begann

Doch beginnen wir am Anfang. Geboren wurde sie 1986 in Rosenheim. Sie wuchs zusammen mit ihrem Bruder Benjamin, mit dem sie heute zusammen das Gut Aubenhausen betreibt, auf. Auch Benjamin Werndl ist Profi-Dressurreiter. Ihren sportlichen Ehrgeiz könnten die Geschwister von ihren Eltern, einer Ski-Rennfahrerin und einem Segler, geerbt haben. Ihre Liebe zum Pferd wurde jedoch durch ihre Tante geweckt, die eine Lewitzer-Zucht betrieb. Die Geschwister machten dort ihre ersten Reiterfahrungen auf Schulpferden. Es folgten die ersten eigenen Ponys – Little und Lady – und danach erste Dressur-Ponys und -Pferde, die beide Geschwister sowohl in der Junioren- als auch in der Jungen-Reiter-Zeit zu Medaillen bei den Europameisterschaften trugen. 

Durchbruch mit Unee BB

2014 gelang Jessica von Bredow-Werndl dann der Sprung in den deutschen A-Championatskader mit ihrem KWPN-Hengst Unee BB. Mit ihn wurde sie bei den Weltcup-Finals in Las Vegas 2015 und in Göteborg 2016 jeweils Dritte. Zudem erkämpften sie sich zusammen zwei Bronzemedaillen bei den Deutschen Meisterschaften und Team-Bronze bei den Europameisterschaften 2015 in Aachen. Die Qualifikationen für die Olympischen Spiele 2016 verpasste sie als zweite Reserve Reiterin knapp. 

Seit 2018 nicht zu stoppen

2018 wiederholte sie mit Unee BB ihren dritten Platz bei den Weltcup-Finals in Paris. Bei den deutschen Meisterschaften in Balve trat sie mit Zaire und Dalera an. Sie belegte den dritten und vierten Platz. Im Juli gewann sie mit der deutschen mannschaft den Nationenpreis beim CHIO Aachen. Im September dann der Sieg mit der deutschen Mannschaft bei den Weltreiterspielen in Tryon, ebenfalls im Sattel von Dalera. Seit dem Jahr 2018 sind die beiden nicht mehr zu stoppen. 2019 gewann das Duo Mannschaftsgold bei den Europameisterschaften in Rotterdam und Bronze in der Einzelwertung. 2020 setzten sich von Bredow-Werndl dann im Grand Prix Special durch und wurden Deutsche Meister. 2021 wiederholten sie diesen Sieg und setzten sich zudem auch noch in der Grand Prix Kür an die Spitze. Auf der Weltrangliste 2021 findet man von Bredow-Werndl gleich zweimal. Platz zehn belegt sie zusammen mit ihrer Stute Zaire. Auf Platz drei ist sie mit ihrem Olympiapferd Dalera zu finden.

“Wir machen das jetzt!”

TSF Dalera BB ist eine Trakehner-Stute von Easy Game aus einer Handryk Mutter und stammt aus der Zucht von Sabine Duckenmöller. Das BB hinter dem Namen lässt es bereits erahnen. Die Stute befindet sich im Besitz von Beatrice Bürchner-Keller, der langjährigen Mäzenin von Jessica von Bredow-Werndl. Daleras unaufgeregte Art, ihre Zuverlässigkeit und die Mühelosigkeit mit der die Stute ihren Weg vom St.Georg bis hin zum Grand Prix schaffte, begeisterte auch den Trakehner-Förderverein, der ihr den Zusatz TSF verlieh und damit zu einem der herausragenden Repräsentanten der Trakehner-Sportpferde machte. “Sie hat mir den Atem genommen. Sie war unglaublich.”, sagte von Bredow-Werndl über die Leistung ihrer Stute in Aachen 2018. Das Gefühl auf Dalera ins Stadion einzureiten beschreibt von Bredow-Werndl so: “Sie ist ja schon sehr groß und dann kommt die da rein [ins Stadion] und wird noch größer. Sie gibt mir das Gefühl >>Wir machen das jetzt!<<”. Auch kurz vor ihrem gemeinsamen Start in Tokio findet die Reiterin nur lobende Worte für Dalera. Als “bestes Pferd der Welt” bezeichnet die Profi-Dressurreiterin ihre Stute auf dem Weg zum letzten Training vor der ersten Prüfung im Livestream auf Instagram.

Kindheitstraum wird wahr

Mit 10 Jahren träumte Jessica von Bredow-Werndl das erste Mal von der Teilnahme an Olympia. Nun wird dieser Traum, 25 Jahre später, wahr. Als nicht so leicht bezeichnete sie selber die Phase zwischen den erfolgreichen jungen Jahren und dem Sprung in das deutsche Championatskader. Zeitweise überlegte sie sogar den Profisport ganz an den Nagel zu hängen und studierte Marketing und Kommunikation. Insgesamt fünf Jahre trainierte sie zeitweise sogar bei ihrer heutigen Team-Kameradin Isabell Werth. Durch die machte sie auch die Bekanntschaft mit Co-Bundestrainer Jonny Hilberath, mit dem sie seit 2011 dauerhaft trainiert und der sie nun, sowie auch alle anderen Mitglieder des Dressur-Teams vor Ort betreut. 

Zur Unterstützung in Tokio dabei sind ihr Vater und ihr Mann Max von Bredow, der selber Vielseitigkeitsreiter ist. Ihr Bruder Benjamin und der Rest der Familie werden der Reiterin von Zuhause aus die Daumen drücken. Und dabei dürften sie nicht alleine sein. Denn von Bredow-Werndl kann auf eine äußerst große Fangemeinde blicken, die sie sich in den letzten Jahren aufgebaut hat. Alleine ihrem Instagramprofil folgen weit über 200.000 Abonnenten. Bei so viel gedrückten Daumen, lässt sich doch nur auf eine Medaille hoffen.