Michael Jung geht nach Dressur und Gelände in Führung bei der Wertung um die Deutsche Meisterschaft. Durch ein fehlerfreies Gelände und eine Spitzenzeit kämpfte er sich einen Platz nach vorne und damit an die Spitze des Starterfeldes. 

Als erster Starter der 4*-Prüfung startete Lara de Liedekerke-Meier mit Cascaria V in den Geländeparcours. Die Belgierin, die nach der Dressur mit 31,2 Punkten und damit auf Platz 20 lag, beendete den Kurs in Luhmühlen jedoch nicht. Denn am letzten Sprung musste sie aufgeben. Doch damit war sie nicht alleine. Von anfangs 51 Teilnehmern an der 4*-Prüfung blieben nach dem Gelände nur noch 41 übrig, wobei jedoch fünf Starter bereits vor Beginn der Geländeprüfung auf den Start verzichteten. Weitere Fünf schieden durch Verweigerungen, Stürze oder Verzicht aus. 

Doch nicht nur der anspruchsvolle Parcours mit seinen technischen Herausforderungen ließ die Reiter schwitzen. Auch das Wetter und die gesetzte Idealzeit von 6:41 Minuten setzten die Reiter unter Druck. Letztere ließ auch den Overnight-Leader William Coleman in der Wertung zurückfallen. Wegen 11,6 Punkten durch Zeitüberschreitung fällt er von Platz Eins auf Platz Neun und öffnete damit die Möglichkeit für Michael Jung den Platz an der Spitze einzunehmen. Jung flog gewohnt routiniert und vor allem schnell durch das Gelände, so dass er einer der wenigen Reiter ohne Zeitfehler wurde und sich mit nur 25,6 Punkten an die Spitze des Starterfeldes setzte. Der Reiter aus Horb freute sich vor allem über die Leistung seines Pferdes: „Highlighter wird immer cleverer und hat toll mitgemacht. Er ist konditionell super drauf und ich konnte an den Sprüngen mein Tempo halten. Dadurch waren wir insgesamt sehr schnell unterwegs und konnten in der Zeit bleiben, was heute ziemlich schwer war. Ingesamt ließ sich das Gelände super reiten. Der Boden war perfekt präpariert und die Temperaturen hat man den Pferden nicht angemerkt. Highlighter kam topfit ins Ziel.

Auch weitere erfreuliche Veränderungen brachte die Teilprüfung Gelände aus Deutscher Sicht ein: Platz Eins bis Fünf übernehmen die Reiter der Deutschen Equipe. Ordentlich Plätze gutmachen konnte vor allem Jéromé Robiné, der nach der Dressur mit seinem Wallach Black Ice noch auf Platz Sechs gelegen hatte. Das er im Gelände soweit nach vorne rücken würde, hätte der Sportsoldat jedoch nicht gedacht:  „Die letzten Prüfungen liefen schon sehr gut. Dass ich hier nach dem Gelände auf Platz zwei liege, hätte ich im Vorfeld jedoch nicht erwartet. Das Gelände war sehr anspruchsvoll und ich musste darauf achten, den großen Galopp meines Pferdes geschlossen zu halten.“ Durch ein fehlerfreies Gelände mit nur 2,0 Zeitfehlern machte Robiné  fünf Plätze gut und setzte sich mit 29,0 Punkten hinter den Führenden Michael Jung, sodass sich dieser im morgigen Abschlussspringen keinen Fehler erlauben darf. 

Dirk Schrade, der bereits in der Dressur den 3. Platz inne hatte, behielt die Platzierung auch nach dem Gelände. Mit Casino 80, dem Holsteiner Wallach, kam er ohne Fehler im Gelände ins Ziel, jedoch musste auch er 3,2 Zeitfehler hinnehmen, doch auch er zeigte sich deutlich zufrieden mit der Leistung: „Casino ging spitze, wirklich ganz, ganz toll. Ich habe nach einem Missgeschick beim letzten Turnier vielleicht etwas zu viel Druck gemacht, aber er hat sich super gezeigt. Auch die Temperaturen machen den Pferden nichts aus, Casino war bis zum Ende top fit.“ 

Hoffnungen auf eine Platzierung können sich auch Sandra Auffarth und Christoph Wahler machen. Mit ihren Pferden Rosveel und D´Acorrd kamen sie etwas über der Zeit und damit mit 29,8 (Platz 4) und 30,0 (Platz 5) Punkten ins Ziel. 

Das morgige Springen dürfte – ebenso wie das der 5*-Reiter – spannend werden. Denn auch in der 4*-Prüfung liegt das Starterfeld so eng beieinander, dass Springfehler das sofortige Aus für eine Platzierung bedeuten würden.